
„Ich glaube, dass wir Menschen nicht erst jemand werden müssen, um wertvoll zu sein.“ Dieser Satz ist für mich keine therapeutische Erkenntnis aus einem Lehrbuch. Es hat meinen bisherigen Lebensweg gebraucht, bis ich ihn nicht nur verstehen, sondern auch für mich selbst annehmen konnte.
Mein Leben war nicht immer leicht. Es kennt Brüche, Verluste und Abschiede. Es kennt die Erfahrung, nicht gesehen zu werden und lange zu glauben, den eigenen Platz im Leben erst verdienen zu müssen.
Und es kennt die Trauer um einen geliebten Menschen – eine Trauer, die nicht „wegtherapiert“ werden kann und auch nicht soll.
Heute weiß ich: Es gibt Erfahrungen im Leben, die können wir nicht ungeschehen machen. Aber wir können daran wachsen, uns neu zu ihnen verhalten und entdecken, dass unser Leben auch dort noch Sinn in sich trägt, wo wir ihn eine Zeit lang nicht sehen können.
Die Logotherapie Viktor Frankls ist deshalb für mich weit mehr als eine therapeutische Methode. Sie entspricht meiner tiefsten Überzeugung vom Menschen:
Dass wir niemals nur das sind, was uns widerfahren ist. Dass wir eine innere Freiheit besitzen, Stellung zu beziehen. Und dass unser Leben bis zuletzt Möglichkeiten bereithält, auf die nur wir selbst Antwort geben können.
Auch meine langjährige Arbeit mit der Gestaltpsychotherapie hat mich geprägt. Sie hat mich gelehrt, Menschen nicht nur mit meinem Wissen, sondern aufrichtig als Mensch zu begegnen – aufmerksam für all das, was sich im gegenwärtigen Augenblick zeigt. Ich biete den Raum an, in dem ein Mensch sich zeigen kann. Mit seiner Angst und seiner Hoffnung. Mit seiner Wut, seiner Scham und seiner Sehnsucht. Mit dem, was gelungen ist – und mit dem, was vielleicht niemals gut geworden ist.
Und ich kann Trauer aus-halten.
Nicht, weil ich eine Antwort darauf hätte. Sondern weil ich erfahren habe, dass es Augenblicke gibt, in denen ein Mensch keinen guten Rat braucht, keine Erklärung und keinen therapeutischen Kunstgriff. Sondern einen anderen Menschen, der bleibt und gemeinsam aushält, was gerade nicht zu ändern ist.
Vielleicht ist genau das im Laufe meines Lebens zu einem wesentlichen Teil meiner Arbeit geworden.
Ich arbeite seit vielen Jahren als Heilpraktikerin für Psychotherapie, Gestalttherapeutin, Dozentin mit eigener Heilpraktikerschule und Supervisorin. Fachliche Kompetenz und Erfahrung sind mir wichtig. Aber heute weiß ich ebenso: Methoden allein helfen keinem Menschen. Entscheidend ist die Begegnung.
Ich sage Menschen nicht, wie sie leben sollen – sondern möchte ihnen dabei helfen, ihre eigene Antwort auf ihr Leben zu finden.
Manchmal bedeutet das Veränderung.
Manchmal Versöhnung.
Manchmal eine klare Grenze.
Manchmal Loslassen.
Und manchmal bedeutet es, das anzunehmen, was ist – ohne sich selbst dabei aufzugeben.
Mein Glaube trägt mich dabei persönlich. Er gibt meinem eigenen Leben Grund und Richtung, ohne Voraussetzung für die Menschen zu sein, die zu mir kommen.
Heute empfinde ich meine Arbeit als etwas, das aus meinem ganzen Lebensweg entstanden ist: aus dem, was ich gelernt habe, aus meiner beruflichen Erfahrung, aus meinen eigenen Umwegen und Verwundungen – und auch aus dem, was das Leben mich gelehrt hat, ohne dass ich es mir ausgesucht hätte.
Ich bin nicht am Ziel angekommen, weil es nichts mehr zu lernen gäbe.
Aber ich bin bei mir angekommen.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Voraussetzung dafür, einen anderen Menschen ein Stück auf seinem eigenen Weg begleiten zu können.
Ich freue mich, wenn wir uns kennenlernen.
Herzlichst
Ihre / Eure Ulrike Weigert

Für Menschen, die sich derzeit in „einem Land der Trauer“ bewegen:
dieses Gedicht habe ich 2009 für meinen Ehemann Wolfgang geschrieben,
der 2007 im Alter von 46 Jahren ganz plötzlich verstorben ist:
Das Land der Trauer
Es ist eine einsame Reise – durch das Land der Trauer
Keine andere Menschenseele zu sehen
Von Zeit zu Zeit
Die Schatten der anderen
die ebenfalls durch ihr eigenes Trauerland ziehen
Wie sie trage ich mit gebeugten Schultern
gesenktem Blick
in mich gekehrt
manchmal vor Schmerz gekrümmt:
Erinnerung – Hoffnung – Wut – Trotz
Verzweiflung – Mut – Auf- und Ablehnung
manchmal bis nahe an der Grenze zum Irre-Sein
Eine Hand
Eine Begegnung
Mein Blick hebt sich kurz
Doch ich bin
nicht wirklich erreichbar
Im Land der Trauer
Es ist das Land, das ich alleine durch schreite
das ich alleine versuche
zu bezwingen
Ein Musiktitel
Ein Buch
Ein paar Zeilen
Ein Foto
und ich stürze in das nächste tiefe Tal
Gnadenlos
Ohne jegliches Erbarmen
Dazwischen:
Aufatmen – Luft – Hoffnung
Mein Glaube? Wo ist er?
Immer wieder ein kurzes Auf-Flackern
und Erlöschen
Wie ein Zündholz
Manchmal zeigt er einen kurzen Wegweiser
Einen Hinweis:
Du bist nicht allein
Im Land der Trauer
Er begleitet Dich
Mit traurigem Blick,
weil auch Er Dich verlassen hat
Weil auch Er Abschied nehmen musste
Schnell
Ohne Gnade
Ohne jegliche Diskussion
Und dennoch:
Aus Gutem Grund
Aus Gutem Grund, den nur Der Eine kennt.
Der, dessen Wille wir uns beide beugen
In Hingabe
In Vertrauen
In Hoffnung
In der Liebe
die uns gemeinsam trägt
Im Land der Trauer
Durch das Land der Trauer
Hindurch
Zum Licht.